Kritik aus 'ME Sounds' Ausgabe 12/1995 Eine Reise in der Zeitmaschine zum Preis einer CD: Die Finn Brothers machen's möglich. Tim und Neil Finn haben in den Siebzigern bei Split Enz mit komischen Frisuren, ebensolchen Anzügen und perfektem Pop für Furore gesorgt. Nach dem "Split End" war Tim solistisch tätig, während Neil mit seiner Gruppe Crowded House Beatles-Fantasien auslebte und Song-Juwelen zwischen Melodie und Melancholie schuf. Auf
FINN frönt die Familien-Bande aus Neuseeland nahezu ohne fremde Hilfe ihrer Liebe zu den Swinging Sixties.
Last Day Of June klingt, als wären die Fab Four aus Liverpool wieder auferstanden. Zu einem schlichten Ringo-Starr-Beat meint man John Lennon singen zu hören, und im Hintergrund säuseln Paule und George. Doch das ist
längst nicht alles: Angels Heap klingt wie ein whiskyseliges Werk von Simon & Garfunkel, Suffer Never wie Acid-Folk-Rock vom Byrds-Album NOTORIOUS BYRD BROTHERS, Kiss The Road Of Roratonga roh und unbehauen wie ein Song der Troggs. Niwhai beschwört den Psychedelic Beat der Jefferson Airplane, Eyes Of The World ist purer Kinks-Stuff, Where Is My Soul kombiniert Beatles-Atmosphäre mit spacigem Marke Pink Floyd aus der 'Arnold Layne'-Phase, Only Talking Sense
verdankt Velvet Underground eine Menge. Der Clou: die Finns schaffen es dennoch, den Songs ihren Stempel aufzudrücken. Songs, die anfangs sperrig wirken, sich aber schon beim zweiten Hören im Gehörgang festbeißen. Ein übriges tun die schrägen Arrangements, das exotische Instrumentarium und eine gesunde Portion Respektlosigkeit.
Die Huckleberry FINNs bieten Pop in Vollendung. (5 von 6 Sternen) Peter Felkel |