Crowded House Videos bekommt man (abgesehen von Dream und Weather, eigentlich nie zu sehen. Daher lohnt ein Griff zur DVD »Dreaming - The Crowded House Videos« (oder, wenn man die Band schon länger kennt, zur
vergriffenen 1992er Videokassette I LIKE TO WATCH, auf der, von I Feel Possessed abgesehen, alle Videoclips bis zu diesem Zeitpunkt enthalten sind).
Die »10th Anniversary FAREWELL TO THE WORLD« DVD (vgl. auch Doppel-CD-Album)
DVD 1 (125 min.) enthält das ganze Konzert (einschließlich der fett markierten Titel, die es vor zehn Jahren nicht auf die VHS-Kassette schafften) einschließlich eines Audiokommentars von Neil, Nick und Mark!
Die Setlist der DVD:
Mean to Me
World Where You Live
When You Come
Private Universe
Four Seasons In One Day
Fall At Your Feet
Whispers and Moans
Hole In the River
Better Be Home Soon
Pineapple Head
Distant Sun
Into Temptation
Everything Is Good For You
Locked Out
Something So Strong
Sister Madly
Italian Plastic
Weather With You
It's Only Natural
There Goes God
Fingers of Love
In My Command
Throw Your Arms Around Me
Don't Dream It's Over
Auf Disc 2 (58 min.):
20 min Dokumentation: 'Die Planung'
13 min Interview Channel 7 (Australien) nach der Bandauflösung
Neue Dokumentation für die DVD mit Interviews von Neil und Nick
Es fehlt lediglich das Video zu »Instinct«. Die DVD ist noch erhältlich.
Eine kurze Chronologie der Crowded House Videos...
1986/’87:
Don't Dream It's Over Regie: Alex Proyas (Regisseur von Better Be Home Soon und der Kinofilme 'The Crow' und 'Dark City') Das Video startet mit dem Schriftzug der Band und des Songs, blendet dann über in eine Seitwärtsfahrt durch sowohl das Leben Neil Finns als
auch eines fiktiven Hauses, in dem die Bandmitglieder tätig sind (Nick an der Orgel, Paul beim Bügeln). Sehr teures, imaginatives Video, das auf MTV wochenlang in der »heavy rotation« lief und somit zum Charterfolg des Songs in den USA beitrug.
Mean to Me
Regie: Richard Löwenstein (Regisseur auch von Into Temptation und einiger Tim Finn - Videos). Sehr typisch 80er Jahre - wer Clips wie ‘Love Is The Seventh Wave’ von Sting kennt, weiß, was ich hier meine... Handgemaltes verbindet sich mit nachkolorierten Aufnahmen der Band in einer leeren Halle. Der Clip wurde simultan mit World Where You Live in Melbourne gedreht. Der Regisseur soll angeblich sich für “zu alt für Videoclips” gehalten haben, machte aber dann als Werbefilmregisseur weiter (was nun wirklich eine typisch jugendversessene Branche ist).
Now We're Getting Somewhere
Regie: Rob Wellington Gedreht im Winter in der Nähe Melbournes, imitiert dieses Video den Stil des Beatles-Films "Help". Die enormen Produktionskosten von AU-$ 5000.- sieht man dem Film durchaus an... Zwischen die Ski-Aufnahmen sind im Shuffle-Rhythmus verfremdete kolorierte Bilder der Band bei einem Auftritt geschnitten. Das Mädchen an den Keyboards ist übrigens Gill Civil, die schon auf der Tour im Januar 1987 dabei war, bevor sie von Eddie Rayner abgelöst wurde.
Something So Strong Regie: Evan English (siehe auch Nails in My Feet clip). Autsch, ist dieser Clip umstritten! Die einen freuen sich an der nett-naiven Story, die anderen finden das ziemlich arrghh. Originalzitat Nick: "It ended up looking like a commercial for margarine. It is all very
wholesome and American”. Der Clip beginnt mit ein paar Akkorden Smoke On The Water, dann sehen wir Nick, Neil und Paul, die umgeben von ein paar Mädchen und Jungs ihren Song spielen. Ein Papierflieger saust durch die Scheune, ein Typ rutscht auf einer Bananenschale aus und tanzt mit einer Frauenschürze, Nick bekommt einen Wasserschwall ab, der für Neil bestimmt war etc. Neil: “English was trying to tap into the soft, white
underbelly of middle America...He wanted to penetrate the heart of niceness, and subvert it once we'd got them. I think it looked a bit much like a toothpaste commercial myself. But certain people you'd never expect really liked that video. Elvis Costello for one. That really surprised me". (Bourke S. 88).
World Where You Live Regie: Ray Argall Dieser Clip entstand simultan mit Mean To Me in Melbourne. Noel Crombie hat WWYL ausgestattet, was insbesondere an der Dekoration zu sehen ist, die permanent aus der Balance kippt. Neil lädt die Zuschauer in ein
“crowded house” ein, in dem praktisch alles schief ist.
1988
Better Be Home Soon
Regie: Alex Proyas (siehe auch Don't Dream It's Over) Dieser Clip spielt auf einer übergroßen Bühne, auf der die Band, teilweise “souffliert” von Paul, der Texttafeln hochhält, den Song spielt. Am Schluß bricht alles zusammen.
Into Temptation Regie: Richard Löwenstein (siehe auch Mean To Me) Into Temptation zeigt die Band auf einer dekorierten Bühne, die in etwa das wiedergibt, was CH auf der Temple-Tour an Dekorationen dabei hatte. Viele Überblendungen, langsames Tempo. Sehr stimmige Umsetzung der Songthematik; reflektiv und abstrakt.
When You Come Regie: Paul Elliot Der Clip entstand während der kurzen Japan-Tour der Band 1988. Alle Bandmitglieder sind zeitweise in synchronen Positionen mit Gitarren zu sehen, alles ist sehr bunt und schnell geschnitten; sieht sehr nach TV aus. Es stimmt, der Clip ist dem von It’s Only natural sehr ähnlich (allerdings sind dort CH nicht in Tokio, sondern in New York unterwegs)
I Feel Possessed Regie: unbekannt Sehr selten zu sehen, und auch nicht auf der Videokassette “I Like To Watch” zu finden (als einziger der Clips bis 1992). Ganz zu Beginn ist eine Großaufnahme von Neils Auge zu sehen, ansonsten ist dies eine geschnittene Fassung der Liveaufnahmen bei den Sydney-Konzerten im August 1988. Man beachte: Eddie Rayner an den Keyboards.
1991/’92
Chocolate Cake Regie: John Hillcoat
Dieser Clip hat immerhin AU-$ 200,000.- gekostet, was im Verhältnis zu dem, was zu sehen ist, doch eine ganze Menge ist (puh!). Die band (mit Tim) posiert als amerikanische, leicht schleimige Entertainer in blauen Anzügen. Alles in bonbonfarben, Paul ist in Frauenkleidern zu sehen, ein Schokoladekuchen, der aussieht wie das Empire State Building, schmilzt vor sich hin, Kakerlaken laufen über das Bild. Alles etwas prätentiös, wie der ganze Song.
Fall At Your Feet Regie: Andrew Dominik Das hölzerne Gesicht, das auf dem Woodface-Plattencover zu sehen ist, läßt sich hier wiederfinden. Durch das Gesicht vor Sternen fliegt die Kamera und eröffnet einen s/w-Clip, in dem hauptsächlich Nahaufnahmen der Köpfe zu sehen sind, die sich einander zu- und voneinander
abwenden. Sehr schlicht und ruhig, durchzogen von Regenfäden und fliegenden Tauben, ist dies ein sehr passender Film zu einem der bekanntesten Liebeslieder Finns.
It's Only Natural Regie: Paul Elliot (siehe auch When You Come) Der Regisseur hatte schon bewiesen, daß er sich in urbanem Umfeld wohlfühlt. Daher bekam er auch den Auftrag für diesen Clip, in dem die Band durch New York zieht und merkwürdigen Charakteren begegnet. Einmal skatet Nick (ohne Helm <g>) auf der Straße mit einer Gummigitarre um den Hals, aber sonst passiert nicht viel.
Weather With You Regie: MacGregor Knox WWY war sehr billig produziert, fast wie ein Super-8-Film. Die Band ist mit kleinem
Wohnwagen und altem Cabrio unterwegs zum Strand und macht ein Picknick. Neils Hund Lester tollt im Wasser herum und hechtet einem Wasserball hinterher, Neil sitzt in der Wohnwagentür und spielt Gitarre, Paul trommelt auf Bongos herum (obwohl gar keine zu hören sind und er nicht im Rhythmus ist). Ein Feelgood-Clip, der trotz der Bedenken der Plattenfirma in England sehr gut ankam.
Four Seasons In One Day Regie: Kerry Brown & Bruce Sheriden Der meiner Einschätzung nach beste CH-Videoclip. Die Filmemacher Kerry Brown und Bruce Sheriden aus Neuseeland hatten schon länger an Neils Tür geklopft, um ein Video machen zu dürfen. Four Seasons ist sehr surreal, fast daliesk. Paßt wunderbar zum Song. Der australische Rolling
Stone gab diesem Clip einen Preis als bestes Video des Jahres, und auch die Plattenfirma war’s zufrieden.
1993/’94
Distant Sun Regie: Curtis Wehrfritz (Kanadier, der u.a. mit Leonard Cohen und Holly Cole zusammengearbeitet hatte)
Wehrfritz: "One thing Neil showed was an interest in nature - it's patterns and rhythms, the fact that certain things have a psychadelic feel". Ein sehr symbolischer Clip ohne Bezug zur Realität. Ist sehr stimmig als Clip, paßt aber m.E. nicht so ganz zum Song. Viele Brauntöne, wie die meisten TA-Clips.
Locked Out Regie: Zanna Die Band läuft durch ein Slumviertel in Wales, die Kamera immer vorneweg. Neil Finn: "Spending two days running down a Welsh road in the freezing cold with a pair of really flimsy plimsolls on was a total nightmare...It was a great idea when we were sitting on the bus, but on the
second take of running behind a car, we're all going 'Whose stupid idea was this?'" (Doole & Twomey, 1997, p.97).
Private Universe Regie: Kerry Brown and Bruce Sheriden (siehe Four Seasons) Dieser Clip entstand in Auckland. Die merkwürdigen Möbel kommen von Sean Kerrigan, einem örtlichen Künstler. Zitat aus Chris Bourkes Buch Something So Strong: In a helicopter, Neil was taken alone to White
Island, a small active volcano off the coast of Mt Maunganui, where he'd spent his childhood summers. The island is a dramatic, desolate landscape, reinforced by the occasional belch of volcanic rock and poisonous gas. "It's a very difficult filming environment," say Sheriden, "because of the acidic, sulphuric air. It eats your throat, and the cameras can die in a day. So here we are, with one of the world's
major recording artists, risking life and limb with the danger of rocks falling out of the sky"... Dieser Cluip arbeitet viel mit Chroma-Key-Techniken (blue screens). In Auckland wurde der Rest der Band beim Spielen der teilweise bizarren Instrumente gespielt. Dies war Pauls letzter Auftritt in einem Video (die Greatest Hits Clips von ‘96 abgesehen).
Nails in My Feet Regie: Evan English (siehe Something So Strong) Paul war ab diesem Clip nicht mehr dabei. English baute die Bilder des Videos rund um die Vorstellung auf, daß der Song, des Titels wegen, sich
um eine Auseinandersetzung mit christlichen Werten drehte. Ob das stimmt? --> siehe FLIM. Dennoch: ein schönes Video!
Fingers of Love Regie: unbekannt Die Band (ohne Paul) strolcht im Innenhof eines Gasthofes herum, während sie den Song spielt. Viele Hände und Finger sind zu sehen, die arbeiten oder sich bewegen. Nick bekommt eine Massage, Hände waschen Marks Haare.
1996:
Instinct Regie: Jeff Darling
Nachdem damals für uns Fans überraschend die Nachricht kam, daß nicht Peter Jones sondern Paul Hester auf den drei “neuen” Titeln Schlagzeug spielen würde, war es logisch, daß man ihn auch in den Videos zu Gesicht bekommen würde. Hier steigt er einmal in ein Auto ein. Neil singt in die Kamera, und alle andern stehen planlos auf und setzen sich wieder hin. Ziemlich viele merkwürdige Gestalten in offenen Autos und komischen Kostümen.
Anscheinend war die Band selbst vom Ergebnis nicht so begeistert. Neil: "It was somebody's advertising impression of what we should be doing." (Bourke 1997)
Not the Girl You Think You Are Regie: Jeff Darling Dieses Video entstand simultan mit Instinct. Es ist teilweise schwarz/weiß. Die Band verkörpert Angestellte eines Hotels, die Gäste hinein und hinausbegleiten. Ein paar anrüchig-merkwürdige Dinge gehen da vor... Paul und Mark schienen durchaus Freude am Dreh gehabt zu haben, kein Wunder: es hüpfen ja auch ein paar hübsche Mädchen auf den Betten herum....
Everything Is Good For You Regie: unbekannt Das habe ich nie gesehen. Angeblich ist es sehr billig-”künstlerisch”, im Stil eines Home Movies gedreht. Wer Infos hat, bitte her damit!